Die Grünen in Simmerath

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Atomalarm in Monschau


Video Atomalarm in Monschau

Mi, 10. Nov. 2010
Eifeler Nachrichten / Lokales / Seite 15

150 Demonstranten gegen Atompolitik

Protest in Monschau mit unerwartet guter Resonanz. Demo soll in der Eifel zu einer regelmäßigen Einrichtung werden.

Von Heiner Schepp

Monschau. Die Ratsmitglieder aller drei Nordeifelgemeinden staunten nicht schlecht über den Menschenauflauf vor dem Monschauer Rathaus. Während sie drinnen zwei Stunden lang die Köpfe über die Zukunft der Schulen hatten rauchen lassen (s. Bericht auf dieser Seite), hatte sich vor dem Verwaltungsgebäude eine stattliche Menschenmenge zur ersten Anti-Atomkraft-Demonstration in der Geschichte der Nord­eifel zusammengefunden. Rund 150 Bürgerinnen und Bürger brachten mit einem kurzen, aber lautstarken Fußmarsch durch die Laufenstraße ihren Protest gegen die von der Bundesregierung beschlossene Laufzeitverlängerung der 17 Atomkraftwerke in Deutschland zum Ausdruck.

Silvia Mertens, die erst letzte Woche die Initiative zur Demo ins Rollen gebracht und als Grünen-Ratsmitglied ebenfalls der Schul-Infoveranstaltung beigewohnt hatte, war „baff“, als sie aus dem Rathaus trat. „Mit einer solchen Resonanz hatten wir nicht gerechnet“, meinte sie mit Blick auf die „Montagsdemo“ der Vorwoche in Aachen, wo sich gerade mal 15 Atomkraft-Gegner eingefunden hatten.

„Das können wir besser“, meinten die Monschauer Grünen, stellten in nur zwei Tagen eine bewusst überparteiliche Demon­stration auf die Beine und profitierten wohl auch von den allgegenwärtigen Medienberichten über den Castor-Transport und die Proteste dagegen.

Unterschriften gesammelt

„Ich wünsche mir, dass jeder von Euch Kreise zieht und wir jede Woche mehr werden“, kündigte Mertens an, die Montagsdemonstration gegen die Laufzeit-Verlängerung zu einem festen wöchentlichen Termin (s. Box) machen zu wollen, „bis der Bundespräsident das Gesetz doch noch stoppt“.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat eine Aktionsgruppe namens „campact“ unter dem Leitwort „Demokratie in Aktion“ eine E-Mail- und Unterschriftenaktion gestartet, in der Christian Wulff aufgefordert wird, den im Bundestag beschlossenen und dem Bundesrat vorenthaltenen Gesetzesentwurf zu kippen. „Wir haben 90 neue Unterschriften dafür gesammelt“, freute sich Silvia Mertens über die Resonanz am Montag.

Ehe die 150 Demonstranten, ausstaffiert mit Fahnen, Fackeln, Buttons und allerlei Lärmwerkzeug losmarschierten, bedankte sich auch Mitorganisatorin Dr. Cornelia Geist-Rudolf für das erfreuliche Echo, dass der Aufruf zum öffentlichen Protest gefunden habe.

Musik und Tagesschau von 1986

Vom Rathausplatz, um den herum unzählige Öllichter entzündet worden waren, ging es dann zum Parkhaus Laufenstraße und zurück zum Rathaus, begleitet von ohrenbetäubendem Getriller und Trommeln, „denn wir wollen Lärm machen gegen die Laufzeitverlängerung“, so die Initiatoren.

Angeführt wurde der Protestzug von einer mobilen Lautsprecherbox, aus der ein Anti-Atomkraft-Rap der Saarbrücker Gruppe „Boten der Kultur“ dröhnte und immer wieder die original ARD-­Tagesschau vom 29. April 1986 erklang, als die Welt vom Reaktorunglück drei Tage zuvor in Tschernobyl erfuhr.

Während die Initiatorinnen sich überaus zufrieden mit der Resonanz auf den Protestaufruf zeigten, fand Roetgens Grünen-Chef Gerd Pagnia – scherzhaft – einen Kritikpunkt: „Bei dem Ansturm hätte die Demo statt eines Streifenwagens einen Polizei-Mannschaftswagen verdient gehabt…“

 


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