Die Grünen in Stolberg

Situation Stolberger Schulen

 

 

Karin Hirtz, für die Bündnis 90/ Grünen im Schulausschuss, beantwortete Fragen des Herrn Linden - AZ/AN - zur derzeitigen und zukünftigen Situation in den Stolberger Schulen.

"Herr Linden

Bei den Investitionen in die beiden Stolberger Hauptschulen gibt es
deutliche Differenzen. Ist das politisch gewollt und sehen Sie darin eine
Ungleichbehandlung?


Frau Hirtz

In den letzten Jahren sind in die Stolberger Schulen Millionen Euro geflossen: Ausbau der Ganztagsgrundschulen, Erweiterungsbau Ritzefeldgymnasium, momentan wird die Realschule Walter-Dobbelmann erweitert, das Goethe Gymnasium wird eine Mensa erhalten.Die Hauptschule Kogelshäuser-Straße erhält erhebliche Mittel im Rahmen des erweiterten Ganztagsangebotes.

Wenn man die einen Schulen finanziell berücksichtigt, fühlen sich andere benachteiligt, das liegt in der Natur der Sache. Es ist aber keine Entscheidung gegen eine Schule, sondern eine momentane Entscheidung für ein anderes Projekt in Abhängigkeit der möglichen Fördertöpfe und der aufgestellten Prioritätenliste.

Um es klar zu sagen: Es ist nicht politisch gewollt, eine bestimmte Schule zu benachteiligen!
 

Herr Linden

Wie beurteilen Sie angesichts sinkender Schülerzahlen die Chancen für den
Erhalt von zwei Hauptschulen in Stolberg?


Frau Hirtz

In den nächsten Jahren wird die Schülerzahl in ganz NRW, also nätürlich auch in Stolberg, weiter sinken. Im Schulentwicklungsplan der Stadt Stolberg ist für die Grundschulen in einem Zeitraum von nur fünf Jahren die Rede von einem Rückgang von etwa 20 %! Dies erreicht zeitversetzt auch die weiterführenden Schulen, und der Plan prognostiziert für beide Schulen auf die Dauer nur noch eine Zweizügigkeit.

Die Zahl der Rückläufer aus anderen weiterführenden Schulen wird wegen der verbindlicheren Grundschulempfehlungen zurückgehen, so dass auch da ein Rückgang zu verzeichnen sein wird.
Auch wenn Kommunalpolitiker sich scheuen, dies offen auszusprechen: Nach meiner Einschätzung wid es in Stolberg wie in anderen Städten möglicherweise Zusammenlegungen von Schulen geben, z.B. auch in Grundschulen. Warum sollte die Hauptschule davon eventuell nicht auch betroffen sein? Hinzu kommt, dass die Stolberger Eltern "mit den Füßen" abstimmen: Sie wählen alternativ zunehmend eine der umliegenden Gesamtschulen, weil sie sich dort eine positive schulische Entwicklung versprechen.
 

Herr Linden

Wie sehen Sie generell die Zukunft von Hauptschulen in der deutschen
Bildungslandschaft?


Frau Hirtz

Die Akzeptanz der Hauptschulen in der Bevölkerung geht immer weiter zurück. Wenn man Eltern nach den Wünschen und Hoffnungen für die Zukunft Ihre Kinder befragt, werden sie garantiert nicht die Hauptschule nennen.

Ich habe großen Respekt vor der Leistung aller Hauptschullehrer, die Schüler mit Lern- und Erziehungsproblemen zu betreuen haben. Sie leisten viel für diese Gesellschaft, die aber nicht gebührend entlohnt wird. (Ein schlaues Kind aus einer priviligierten Familie unterrichten kann jeder! ).

Viele Hauptschullehrer und Schulleiter fühlen sich aber mit Ihren Problemen allein gelassen. Ganz aktuell empfiehlt z.B. der Städte- und Gemeindebund ein Modellprojekt zur Gemeinschaftsschule und zur regionalen Mittelschule. Ich persönlich glaube, dass die Hauptschule in ihrer gegenwärtigen Form ein Auslaufmodell ist.

Danke, und einen schönen Abend, Ihre Karin Hirtz"

 


WM:CHecht, 08. Februar 2010

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(c) Werner Krickel 2009