| Noch ein Platz für Glas, Grün und Holz?
Die Stadtverwaltung ist skeptisch, ob ein zweiter Recyclinghof in Stolberg organisatorisch und finanziell machbar ist
Von Martina Rippholz
Stolberg. Säcke voller Hausmüll irgendwo im Wald, Elektroschrott an irgendeinem Parkplatz, Gartenabfälle einfach ins Gebüsch gekuppt – Szenarien wie diese sind es, die die Stolberger Grünen ärgern. Deshalb finden sie: Ein zweiter Recyclinghof in der Stadt muss her. Das fordern sie aktuell in einem Antrag an Bürgermeister Ferdi Gatzweiler. Der Vorschlag: der zweite Hof könnte auf dem Gelände des „Alten Bauhofs“ in Mausbach angesiedelt werden.
„Eine weitere Möglichkeit zur Abfallentsorgung im Süden der Stadt würde zwei grundlegende Vorteile bringen“, erklärt Elmar Wilhelmy, Vorstandssprecher der Fraktion. „Ökologisch gesehen ist eine kürzere Anfahrt für Bürger etwa aus Breinig, Zweifall oder Vicht besser, weil weniger CO 2 ausgestoßen wird. Zweitens widerstehe einige dann vielleicht der Versuchung, ihren Müll in einfach in die Umwelt zu kippen.“
Andreas Pickhardt von städtischen Fachbereich für Wirtschaftsförderung kann die Idee der Grünen durchaus nachvollziehen. „Vom umweltpolitischen Ansatz her ist das sicher sinnvoll“, sagte er gestern auf Anfrage dieser Zeitung. „Aber ob das wirklich umsetzbar ist, muss erstmal eingehend geprüft werden.“ Laut Pickhardt geht es da um vor allem um drei Dinge: den Platz, die Finanzierung und die Frage nach dem Betreiber. „Am Bauhof sind die Kapazitäten nicht gerade riesig. Wenn der neue Recyclinghof eine ähnliche Größe wie der an der Hasencleverstraße haben soll, wird es wahrscheinlich eng.“
Eine Entsorgungsmöglichkeit in kommunaler Eigenregie – das ist ein Vorschlag der Grünen in Sachen Betreiberfrage – schließt Pickhardt aus. Es würde in jedem Fall ein privater Betreiber gesucht werden müssen. Dass dafür eine EU-weite Ausschreibung nötig werden könnte, glaubt er nicht. „So hoch wird das Auftragsvolumen wohl nicht sein.“
Ein Problem sieht der Fachbereichsleiter auch beim Bund. Denn der plant ab 2015 eine Überholung der Mülltrennung. Dann soll es in deutschen Hinterhöfen neben Tonnen für Restmüll, Papier und den Gelben Sack auch welche für Bio-Müll sowie Textilien, Metalle und elektrische Kleingeräte geben. „Was da auf uns zu kommt, ist noch nicht klar. Womöglich würden wir jetzt einen zweiten Recyclinghof errichten und am Ende hat jeder Bürger eine eigene Tonne für diesen Abfall.“
Containerdicht in Stolberg
Laut Sven Poschen vom Ordnungsamt ist die Problematik mit dem „wilden Müll“, auf den sich die Grünen in ihrem Antrag eingehen, in den vergangenen Jahre nicht größer geworden. „Es gehen weder mehr Beschwerden bei uns ein, noch kann ich bestätigen, dass in Stolberg mehr Abfälle in der Umwelt abgeladen werden“, sagt er. „Unsere Außendienstmitarbeiter und auch der Kehrdienst vom Bauhof haben die Situation gut im Griff. Länger als ein bis zwei Tage bleibt solch wilder Müll in der Regel nicht liegen.“ Auch sei die Containerdichte in Stolberg im Vergleich mit ähnlichen recht hoch. „Und in Eschweiler zum Beispiel gibt es gar keinen Recyclinghof. Da sind wir gut ausgestattet.“
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