Die Auswirkungen von Glyphosat auf die Umwelt und was man dagegen tun kann

    Beitrag vom: 03.05.2018

     

    Glyphosat ist seit mehreren Jahren Thema in der Öffentlichkeit. Das Pflanzenschutzmittel steht im Verdacht Krebs zu erregen und zum Insektensterben beizutragen. Grund genug für den Ortsverband der GRÜNEN in Aachen sich mit dem Thema zu beschäftigen. Mit den Gästen Prof. Dr. Anna Van Mikecz, Biologin und Neurowissenschaftlerin an der Uni Düsseldorf und Norvich Rüde, umweltpolitischer Sprecher der GRÜNEN im Landtag und selbst Bio-Landwirt diskutierte ein interessiertes Publikum über notwendige Maßnahmen und eine andere Landwirtschaft. Die Veranstaltung fand statt im Rahmen der Umweltkampagne "Save the Bees".

    Die Auswirkungen von Glyphosat auf die Umwelt

    Das Insektensterben ist dramatisch. Derzeit gibt es bereits 75% weniger Insekten in unserer Natur. Die Verantwortlichen dafür: Neonicotinoide und Glyphosat. Ein Film über die Bestäubung von Obstbäumen in China aus Menschenhand offenbart: Es wird ernst. Ein Bienen Volk kann 300 Mio. Blüten bestäuben. Für die gleiche Leistung würden 1500 Menschen gebraucht. Soll das nicht auch bald in Deutschland zur Realität werden, muss gehandelt werden! Ende April 2017 hat sich bereits die Europäische Union für ein Verbot von drei schädlichen Neonicotinoiden ausgesprochen.

    Neben der Ursache für das Insektensterben haben Pflanzenschutzmittel auch weitere Auswirkungen auf die Umwelt. Glyphosat und Neonicotinoide töten alles rund um die Nutzpflanze. Sie verteilen sich im Boden und in der Luft und gelangen so in den natürlichen Kreislauf, erläuterte Prof. Dr. Anna Van Mikecz eindrucksvoll. "Der Mensch nimmt Glyphosat also über die Nahrungskette auf."

    Die Auswirkungen von Glyphosat auf die menschliche Gesundheit sind noch zu wenig erforscht. Erste Erkenntnisse zu den schädlichen Wirkungen von Glyphosat stammen aus Argentinien und den USA, wo das Mittel sorglos vom Flugzeug auf das Feld und die verteilt wird. Bislang steht das Pflanzenschutzmittel im Verdacht Hormon- und Entwicklungsstörungen hervorzurufen, nerventoxisch zu wirken, die Nieren zu schädigen und zur Entstehung von Tumoren beizutragen.

    Der Einsatz von Pestiziden aus wirtschaftlichen Gründen ist ein Skandal!

    Für Deutschland stellt sich nun die Frage: Was für eine Landwirtschaft wollen wir haben? Glyphosat wird hier nicht nur als Pflanzenschutzmittel eingesetzt, sondern auch um den Boden nicht pflügen zu müssen oder um den Schnitt bei der Ernte des Weizens zu beschleunigen. "Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln aus rein wirtschaftlichen Gründen ist ein Skandal," kritisierte Norvich Rüße, MdL. "Es gibt kein Recht die Natur zu zerstören, um maximalen Ertrag zu erzielen. Pflanzenschutzmittel gelangen ins Trinkwasser und müssen dann wieder aufwendig durch die Kohlefilter der Trinkwasserversorger herausgefiltert werden. Hier müssen die Verursacher die Kosten tragen!"

    Keine neutralen Studien - ein Fond für Pflanzenschutzhersteller

    Als die Wissenschaft Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" einstufte, gab es viel Widerstand seitens der Hersteller. Sie gaben selbst Studien in Auftrag, die die Unbedenklichkeit von Glyphosat feststellen sollten. Ein zweifelhafter Ruf wissenschaftlicher Erkenntnis war die Folge. Als politische Lösung forderte Norbert Rüße, MdL, dass Pflanzenschutzhersteller in einen Fond einzahlen sollen, aus dem Studien unabhängig finanziert werden können.

    Weniger Pflanzenschutzmittel und eine Änderung der Zulassungsverfahren

    Weitere klare Forderungen des Politikers lauteten: "Wir müssen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln halbieren. Spätestens in den nächsten 10 Jahren. Außerdem müssten Pflanzenschutzmittel deutlich kritischer zugelassen werden. Prüfverfahren müssen etabliert werden, die die Mittel vorab prüfen, so dass wir uns später nicht wundern, was wir da denn angerichtet haben. Erst überprüfen und dann zulassen. Wir lassen Mittel zu, über die wir wenig wissen. Da muss die Politik stärkere Maßnahmen veranlassen, um dem entgegen zu wirken. In den letzten zehn Jahren hat sich nicht viel verbessert und das in einer Gesellschaft, die auf Fortschritt setzt."

    Nachhaltigkeitsbildung, lokal handeln und bewusster einkaufen

    Wie schaffen wir es, unseren Bezug zur Nahrung wieder zu finden? Eine Antwort darauf lautete Kinder im Schulalter frühzeitig für die Natur zu sensibilisieren. In der Rückkehr zur G9 sieht Norvich Rüße die Chance das Fach "Nachhaltigkeitsbildung und Ernährung" in den neuen Lehrplan zu integrieren. Natur müsse erlebbar gemacht werden und das Wissen über die Fleischproduktion ausgebaut werden. Auch lokal zu handeln und als Verbraucher*in Supermarkt darauf zu achten, wo die Lebensmittel herkommen und mehr Geld für biologische Nahrung auszugeben, könne einen Beitrag leisten.


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