Der Vennbahnweg - eine Vier-Sterne Qualitätsroute

Beitrag vom: 19.05.2015

 

Im März 2015 war es endlich soweit. Auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) wurde der Vennbahn-Radweg vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) als Qualitätsroute mit vier Sternen ausgezeichnet. "Das Label "ADFC-Qualitätsroute" macht ein hohes Qualitätsversprechen und bedeutet für den Vennbahn-Radweg einen nachhaltigen Schritt in Richtung eines optimalen Angebots für Radfahrer auf und neben der Strecke. Die Auszeichnung wird den Tourismus in der Region weiter vorantreiben," freut sich Christa Heners, Grünes Mitglied im Tourismusausschuss der StädteRegion. Das Zertifikat wurde für den Zeitraum von drei Jahren ausgestellt.

Hintergrund

Europas längster Rad- und Wanderweg führt 125 km durch Deutschland, Belgien und Luxemburg. Beginnend bei der Maria-Montessori-Gesamtschule in der Bergischen Gasse in Aachen verläuft die städteregionale Teilroute 56 km entlang Roetgen, Simmerath und Monschau. Bei einer durchschnittlichen Steigung von zwei Prozent können Radfahrer jeden Alters die traumhafte Landschaft genießen. Dem Reisenden bietet sich ein fantastischer Ausblick über Grünwiesen, Flussläufe und Hügellandschaften. Eröffnet wurde der Vennbahnweg im September 2013.

Die Qualitätsmerkmale eines Premiumradweges

Was macht einen gewöhnlichen Fahrradweg zu einer herausragenden Qualitätsfahrradroute? Das Gütesiegel „ADFC-Qualitätsradroute" wurde vom ADFC-Fachausschuss Tourismus entwickelt und basiert auf einem transparenten Kriterienkatalog. Auf „normierten Tagesetappen" von jeweils 50 Kilometern Länge untersucht der ADFC vor Ort alle Merkmale und gewichtet gute oder schlechte Streckenteile, wobei die Bewertung allein aus Sicht der Radtouristen erfolgte, heißt es in der Pressemitteilung im Anschluss an die Tourismusbörse.

Die komfortable Befahrbarkeit gehört zu den wichtigsten Anforderungen an eine hochwertige Radroute. Zunächst ist ein hoher Asphaltanteil wichtig, um ein optimales Fahrgefühl zu erhalten. Für eine bestmögliche Sicherheit ist eine verkehrsarme Streckenführung, hochwertige und sichere Querungsstellen und eine Ausbaubreite von 3,00 m ausschlaggebend. Eine einheitliche Wegweisung garantiert eine gute Orientierung an wichtigen Stellen. Neben den genannten infrastrukturellen Kriterien braucht es dann noch eine qualitative touristische Infrakstruktur entlang der Strecke (Campingplätze, fahrradfreundliche Gastronomiebetriebe, Bett & Bike-Betriebe, Tourist-Informationen, Infotafeln, Abstellanlagen, Rastplätze, etc.), eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr und ein informatives Marketing (Karten- und Informationsmaterial, Internetauftritt, etc.) um als Qualitätsroute ausgezeichnet zu werden.

Die Kriterien im Einzelnen:

1. Eindeutiger Name: einheitlich und unverwechselbar

2. „Nationaler Rang": Länge vom mindestens 100 Kilometern, Pauschalangebote, überregional

3. Befahrbarkeit: Breite, Umlaufschranken, Poller, Stufen, Treppen, Gefahrenstellen

4. Oberfläche: Material, Schiebestrecken, Querrillen, große Löcher

5. Wegweisung: Schildergröße, Orts- und Km-Angaben, falsche Richtung ausgeschildert, fehlende Schilder, schlecht lesbare Schrift, Widerspruch zur Straßenverkehrsordnung

6. Routenführung: Lärmbelastung, Geruchsbelästigung, Staubbelästigung, Umwege, bei Themenrouten Thema verfehlt, unnötige Höhenmeter, monotone Führung

7. Kfz-Verkehrsbelastung: autofrei, unterschiedliche Klassifizierung je nach Kfz-Belastung, ungesicherte Querungen

8. Touristische Infrastruktur: Zahl der Campingplätze, Gastronomie, Bett+Bike-Betriebe, Tourist-Informationen, Infotafeln, Abstellanlagen, Fahrradbox/Radstation, Spielplätze, Schutzhütten, Rastplätze

9. Anbindung der Route an öffentliche Verkehrsmittel: Häufigkeit des Bahn-Fernverkehrs mit Fahrradmitnahme, Häufigkeit des Öffentlichen Verkehrs mit Fahrradmitnahme, Fahrradbus

10. Marketing: vorhandenes Karten- und Informationsmaterial, in Abhängigkeit

Der Vennbahnweg auf dem Weg zur vier Sterne Route

Auf Grundlage der oben aufgeführten ADFC-Qualitätskriterien wurde die Vennbahn umfassend geprüft. Das Verfahren startete im August 2014 mit der Erfassung und Auswertung von Daten. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde den Projektverantwortlichen die Möglichkeit geboten, Nachbesserungen vorzunehmen z.B. an der Beschilderung oder an der Strecke. Beanstandet wurde von den Prüfern, dass auf bestimmten älteren Streckenabschnitten die Vennbahn seitlich auf ein bedenkliches Minimum von weniger als zwei Metern zugewuchert war. Außerdem kritisierten die ADFC-Tester überflüssige Engstellen durch Mittelpfosten oder Umlaufschranken sowie vereinzelt kurze Abschnitte, die nur mäßig befahrbar waren. Größter Kritikpunkt war die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. Hier wurde unter anderem empfohlen, die Fahrradmitnahme auch in belgischen Zügen dauerhaft sicherzustellen und auf der Bahnverbindung zwischen Aachen und Lüttich die Kapazität und den Komfort zu erhöhen. Dank des kurzfristigen Umsetzens einer Reihe von Nachbesserungsarbeiten durch die zuständigen Infrastrukturpartner der Anrainergemeinden, konnte ein Großteil dieser Schwachstellen behoben werden, was zu einer verbesserten Gesamtpunktzahl beitrug.

Volle Punktzahl bei der Sicherheit

Nach den Nachbesserungen erfüllte die Vennbahn, die für die Zertifizierung relevanten Kriterien sehr gut, heißt es auf der Internetseite des Radweges vennbahn.eu. Volle Punktzahl erhielt der Radweg in den Bereichen Sicherheit und Infrastruktur. Insbesondere die Verkehrssicherheit an den Straßenübergängen wurde gelobt. Es wurde hervorgehoben, dass sich 85 % der 111 km langen Strecke auf völlig autofreien Fuß- und Radwegen befinden. Und auch bei der Oberfläche und der Wegweisung lag die Bewertung bei über 80 % der möglichen Punkte. In der Begründung der Jury hieß es: „Die (Vennbahn-) Route überzeugt durch einen guten Ausbaustandard, verkehrsfreie Radwege und eine gepflegte Wegweisung.“

Unter dem Strich wurde die Vennbahn demnach mit vier von fünf möglichen Sternen ausgezeichnet. Dies wird von den Verantwortlichen als sehr gutes Testergebnis bewertet und bietet den Ansporn, durch weitere Verbesserungen in einzelnen Bereichen in Zukunft eine noch höhere Benutzerfreundlichkeit zu garantieren. Damit reiht sich die Vennbahn in die Liste der ADFC-Qualitätsrouten ein. Außerdem sind die Routen über die App „Sternenrouten“ mobil erreichbar.

Das Zertifikat „ADFC- Qualitätsradrouten“ ist nach Angaben auf vennbahn.eu nicht die erste Auszeichnung des Premiumradweges. Im Jahr 2014 erhielt die Vennbahn die Auszeichnung zur „Fietsroute van het jaar“ (Fiets en Wandelbeurs Amsterdam). Bereits im September 2013 war ihr der „European Greenways Award“ (European Greenways Association) in Portugal zuerkannt worden.

Weitere Infos zu den ADFC Sternerouten finden sich hier.

Informationen rund um den Vennbahnweg gibt es unter www.vennbahn.eu

Buchbeitrag "Die Vennbahn - Auf dem Rad von Aachen nach Luxemburg" von Hans-Jürgen Serwe (Aachener Grüner) 

Filmbeitrag der Lokalzeit Aachen über den Vennbahnweg (4. Mai 2015)


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