Auf einem gut ausgebauten Radweg von Aachen nach Jülich

Beitrag vom: 11.05.2015

 

Zerstückelte Abschnitte, mangelhafte Beschilderung, Schlaglöcher oder auf Trampelpfadbreite zugewachsene Radwege verführen nicht gerade zum Radfahren. Ein durchgängiger, gut befahrbarer Radweg sollte her. Im Mai 2014 war es endlich soweit. Die Bauarbeiten zum ersten Abschnitt der Radverbindung auf der ehemaligen Bahntrasse von Aachen-Nord über Würselen, Alsdorf und Aldenhoven nach Jülich begannen. Bis Ende 2016 soll diese Radroute nun fertig sein. Damit wird ein lang ersehntes Anliegen der Grünen Wirklichkeit.

Von der Idee zur Umsetzung

[caption id="attachment_3585" align="alignright" width="300"]Spatenstich Von links nach rechts: Gisela Nacken, Vorsitzende des Kreisverbandes, Elisabeth Paul stellv. Städteregionsrätin, Fraktionssprecherin der Grünen in der StädteRegion Ingrid von Morandell, sowie Rolf Beckers, der Fraktionssprecher im Bauausschuss[/caption]

Ein durchgängiger, gut befahrbarer Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse von Aachen-Nord über Würselen, Alsdorf und Aldenhoven nach Jülich, dass war die Idee, die Bernd Fasel, Grüner Kommunalpolitiker, Eisenbahnfan und oft mit dem Fahrrad unterwegs, im Sommer 2006 an Grüne Kollegen kommunizierte. Rolf Beckers, ebenfalls Grüner Kommunalpolitiker, Eisenbahnfan und oft mit dem Fahrrad unterwegs, griff diese Idee auf, nahm die Architektin und spätere Grüne MdB Bettina Herlitzius mit ins Boot, und radelte mehrmals die Verbindung Aachen-Jülich ab. Das Ergebnis war ein gemeinsamer Antrag der Kooperationspartner CDU und Grüne zum Bau einer solchen Radverbindung an den damaligen Kreistag Aachen, der im November 2006 dort beschlossen wurde. Fast 8 Jahre und viel Herzblut später war es endlich soweit. Die StädteRegion Aachen lud nach Würselen zum ersten Spatenstich ein. Die Bauarbeiten zum ersten Ausbauabschnitt der Radverkehrsverbindung von Aachen-Nord nach Jülich begannen.

Potential für PendlerInnen und FreizeitfahrerInnen

Der insgesamt 27,5 km lange Radweg von Aachen nach Jülich wird sich gleichermaßen an die Zielgruppen AlltagsradfahrerInnen und FreizeitradfahrerInnen richten. Für PendlerInnen bietet er insbesondere während der Woche eine konfliktfreie Verbindung zwischen den Zielpunkten in der Region. Und auch für den lokalen und regionalen Tourismus bietet der Fahrradweg Potential. Denn entlang des Radweges befinden sich allerlei Freizeitangebote, wie z.B. der der Brückenkopfpark in Jülich, der Römerpark in Aldenhoven, das Freizeitbad Aquana in Würselen oder die Carolus-Thermen in Aachen. Beide Städte, Aachen und Jülich sind darüber hinaus historisch ausgesprochen spannende Orte. Hier haben vor 2000 Jahren bereits die Römer gesiedelt, während heute in beiden Städten auf hohem Niveau geforscht und gelehrt wird.

Rolf Beckers, Sprecher im Bau- und Umweltausschuss der StädteRegion und Organisator der jährlichen Grünen Sommerradtouren freut sich: "Wollen wir das Fahrrad als echte Alternative zum Auto etablieren, brauchen wir ein gut ausgebautes Radverkehrsnetz. Hierdurch wird den Radfahrern auf ihren Wegen zur Arbeit, zum Einkauf und in der Freizeit eine attraktive Alternative zum Auto geboten. Dafür kämpfen wir Grüne schon seit Jahren. Mit dieser neuen Verbindung wächst die Region auf dem Fahrrad ein Stück näher zusammen."

Die Entwicklung der Route

Beginnend am ehemaligen Aachener Nordbahnhof (Nähe Europaplatz) führt der Radweg auf 16 km über Würselen-Mitte und Alsdorf bis an die Grenze der Gemeinde Aldenhoven. Von dort aus geht schon heute der bestehende Bahntrassenradweg parallel zur Landstraße 136 bis nach Jülich weiter. (Routenverlauf)

Der bereits befahrbare erste Bauabschnitt führt auf 5,6 km von Würselen bis nach Alsdorf-Ofden und soll im Sommer 2015 vollständig fertiggestellt werden. Für den Bau des drei bis vier Meter breiten Radweges werden nach Angaben der Aachener Zeitung rund 13.000 Kubikmeter Boden ausgehoben, 12.000 Kubikmeter Frostschutzkies und Schotter als Untergrund verarbeitet sowie wie 21.000 Kubikmeter Asphalt aufgetragen. Im Bau sind derzeit noch zwei Brücken, eine 5,5 Meter lange an der Würselener Poststraße und eine 16 Meter lange über die K 3 (ehem. L 164) zwischen Alt-Ofden und Euchen. Die Realisierung dieses ersten Bauabschnitts kostet 1,4 Millionen Euro, 1,05 Millionen Euro kommen vom Land und 350.000 Euro von der StädteRegion.

Ab Juni 2015 bis Frühjahr 2016 folgt der Weiterbau über Alsdorf-Mariadorf und Hoengen bis zum Anschluss an den Trassenradweg im Kreis Düren bei Aldenhoven. In 2016 wird dann der dritte und letzte Bauabschnitt, das Teilstück zwischen der A4 bei Würselen-Kaisersruh und dem ehemaligen Aachener Nordbahnhof (Jülicher Straße Nähe Ludwig-Forum), fertig gestellt. Die Gesamtkosten für alle drei Abschnitte betragen 4,8 Millionen Euro, von denen das Land NRW rund 75% (3,6 Millionen Euro) übernimmt.

Kein gewöhnlicher Radweg

Neben dem reinen Radwegebau sieht das Gesamtkonzept auch noch acht Rastplätze, Infotafeln und an besonderen Punkten auch touristische Objektbeschilderungen vor. Das wird den Radweg auch touristisch aufwerten. Denn dieser Radweg soll kein gewöhnlicher Radweg sein, sondern "zu einem Premiumprodukt entwickelt werden und diesbezüglich Qualitätsanforderungen von radtouristischen Fernradwanderwegen/ Bahntrassenradwegen entsprechen," heißt es  von Seiten der StädteRegion. "Die Radroute im Zuge der ehemaligen Bahntrasse zwischen Aachen und Jülich soll in das überregionale Radverkehrsnetz eingebunden und mit anderen hochwertigen touristischen Radverkehrsnetzen (z.B. Vennbahn-Route, Rurufer-Radweg) verknüpft werden."

Durch den Verlauf der Radroute auf der ehemaligen Bahntrasse können folgende Qualitätsmerkmale erfüllt werden: Weitgehend autofreie und konfliktarme Führung, geringe Steigungen, sichere Gestaltung von Querungen mit Straßen des Kfz-Verkehrs, teilweise durch Über- oder Unterführungen, zügige Befahrbarkeit und geringe Wartezeiten, u.a. durch Bevorrechtigung der Radroute bei der Querung von Anliegerstraßen. Die Entwicklung eines Marketings- bzw. Kommunikationskonzepts (Homepage, Printprodukte etc.) ist nicht vorgesehen.

Verbesserungspotential existiert bei Übernachtungsmöglichkeiten, fahrradfreundliche Gastronomiebetriebe und Touristinformationen entlang der Strecke. Daher besteht der Wunsch, dass der Radweg auf dem städteregionalen Teilstück nach Abschluss der Ausbauarbeiten die infrastrukturellen Qualitätskriterien des ADFC´s erfüllen wird. Da die Gesamtstrecke nur 28 Kilometer lang ist, kommt die Route trotz des angestrebten hohen Ausbaustandards derzeit nicht für eine Zertifizierung als Qualitätsradroute in Frage, da durch den ADFC eine Mindestlänge von insgesamt 100 Kilometern vorausgesetzt wird. Seit kurzem bietet der ADFC allerdings auch die Zertifizierung von Radreiseregionen an, damit kürzere Routen Zugang zur Zertifizierung erhalten. Im Rahmen einer solchen Zertifizierung könnte dann auch der Bahntrassenradweg Aachen-Jülich Berücksichtigung finden.

Übersichtslageplan als PDF

 

 

 


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