AG Nachhaltiger Konsum in Aachen und der Euregio

Beitrag vom: 19.08.2015

 

In unserer kapitalistischen Gesellschaft durchzieht der Konsum - das Ge- und Verbrauchen von Gütern - alle Lebensbereiche. Wir brauchen Nahrung, Kleidung, um unsere Grundbedürfnisse zu stillen und Güter, wie Handy und Computer, um in der Gesellschaft mithalten zu können. Doch unser massenhafter Konsum hat weitreichende Folgen für die Umwelt und die Menschen auf anderen Kontinenten. Klimawandel, Ressourcenverbrauch, Massentierhaltung, Arbeiterausbeutung, Plastikmüll, Wegwerfgesellschaft stellen Herausforderungen dar, denen sich die neu gegründete Arbeitsgemeinschaft (AG) "Nachhaltiger Konsum in Aachen und der Euregio" stellt. Lisa Lang, Sprecherin der Grünen Fraktion im Wirtschaftsausschuss der Stadt Aachen und neben Susanne Küthe und Sonja Verschitz Gründungsmitglied, stellt im Interview Motivation und Perspektiven der AG dar.

Hallo Lisa, wie ist die Idee eine AG Nachhaltiger Konsum zu gründen entstanden?

Die Idee eine eigene Arbeitsgruppe zu gründen ist aus dem Wirtschaftsarbeitskreis entstanden. Ich beschäftige mich schon seit langem mit der Frage, wie unsere Wirtschaftsweise nachhaltiger gestaltet werden kann. Dazu musste erstmal geklärt werden: Was bedeutet überhaupt "Nachhaltigkeit", wieviel kostet ein nachhaltiger Lebensstil und was kann jedeR Einzelne tun, um nachhaltig zu leben? Auf diese komplexen Fragen wollen wir einfache Antworten aus der Region liefern.

Und was versteht ihr nun unter nachhaltigem Konsum?

Nachhaltiger Konsum beinhaltet für uns ein Verbraucherverhalten, das u.a. Umwelt- und soziale Aspekte bei Kauf und Nutzung von Produkten und Dienstleistungen berücksichtigt und schonend mit den Ressourcen umgeht, d.h. unter anderem auch Tauschen, Teilen und Reparieren anstatt Wegwerfen. Dabei geht es darum, den Bedürfnissen der heutigen Generation zu entsprechen, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen. Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches System hinterlassen. Allein der Konsum der privaten Haushalte ist für mehr als ein Viertel aller Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Die Produktion der Konsumgüter ist dabei noch nicht einmal einbezogen. Aber auch die sozialen Aspekte dürfen nicht länger unberücksichtigt bleiben. Nur dort, wo Menschen zufrieden und auskömmlich leben können, haben Frieden und Solidarität eine Chance. Auch hier gilt es, eine Wirtschaftsordnung zu finden, die eine werte-orientierte Gesellschaft hervorbringt.

Was wollt ihr konkret erreichen?

Bei unseren Recherchen ist aufgefallen, dass Aachen Fair Trade City ist, aber dass das in der Bevölkerung nicht genügend bekannt ist. Lediglich das Eine-Welt-Forum macht auf das Thema aufmerksam. Mit diesem Arbeitskreis wollen wir dazu beitragen, individuelle Konsummuster in Richtung Nachhaltigkeit zu verändern. Denn die Bereitschaft vieler Menschen, einem nachhaltigen Lebensstil nachzugehen, ist da. Grund für die Zurückhaltung sind zu schwerfällige Kaufentscheidungen. Oftmals fehlt es einfach nur an Informationen und Produktkennzeichnungen. Wir brauchen verbesserte Kundeninformationen, die eine Kaufentscheidung erleichtern. Um diese Lücke zu schließen, haben wir eine Webseite erstellt. Auf dieser stellen wir Unternehmen/Geschäfte in Aachen und der Euregio vor, die sich der nachhaltigen Produktion oder Arbeit verpflichtet haben und in denen nachhaltig eingekauft werden kann. Mit diesem Sammelsurium an Läden und Restaurants wollen wir dem Verbraucher einen transparenten Überblick geben und seine Kaufentscheidung vereinfachen. So soll aus guten Absichten auch eine nachhaltige Kaufentscheidung folgen. Neben dem Informationsangebot werden wir das Thema Nachhaltigkeit allgemein aus verschiedenen Perspektiven (Ernährung, Kleidung, Energie, Wasser, Mobilität, Wohnen, Reisen) betrachten. Dabei ist für uns wichtig, die Webseite neutral zu gestalten, damit sich auch Unternehmen präsentieren können, die nicht Grünen-nah sind und dennoch ökologisch und ökonomisch verantwortungsvoll handeln.

Wie geht es weiter?

Neben der Fertigstellung unserer Webseite wollen wir in den nächsten Monaten verschiedene Veranstaltungen machen. Die Grünen veranstalten wir am 23. August 2015 ein Sommerfest im Frankenberger Park mit fair gehandelten Produkten. Dort wollen wir auch unsere neue Webseite erstmals bewerben. Auch zum Weltklimagipfel in Paris im Dezember planen wir derzeit eine Veranstaltung. Das Thema steht noch nicht fest, wird aber zeitnah bekannt gegeben. Der Klimagipfel Ende 2015 wird richtungsweisend sein. Es ist kaum noch Zeit, die Folgen der klimatischen Veränderungen zu verhindern. Daher muss die Welt Antworten auf ökologisches Handeln finden. Und wenn möglich soll unsere Webseite ein kleiner Beitrag dazu sein.

Vielen Dank Lisa für das nette, aufschlussreiche Gespräch!

Kontakt zur Arbeitsgemeinschaft

Das Lexikon der Nachhaltigkeit der Aachener Stiftung Kathy Beys bietet hier gute Informationen an.

Weitere Informationen zur AG auf www.gruene-aachen.de


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