Vom Ehrenamt in der Straffälligenhilfe

Beitrag vom: 30.09.2015

 

Es gibt eine Gruppe von Benachteiligten, die in der Öffentlichkeit weniger als solche wahrgenommen werden. Die Rede ist von Straffälligen. Dass diese Menschen nicht in Vergessenheit geraten, dafür sorgt die gemeinnützige GmbH Straffälligenhilfe Aachen. Dort engagieren sich über 100 Menschen für Inhaftierte, Haftentlassene und von Haft bedrohte Menschen. Eine von ihnen ist Mahnaz Syrus, sachkundige Bürgerin der GRÜNEN Städteregionsfraktion. Über ihr Motiv und ihre Erfahrungen spricht sie im Rahmen des GRÜNEN Themenschwerpunktes "Ehrenamt".

Straffällige nicht aus den Augen verlieren

Mahnaz Syrus ist bereits seit 2001 für die Straffälligenhilfe aktiv. Durch eine Anzeige in der Zeitung hat sie von der ehrenamtlichen Tätigkeit dort erfahren und ist dann direkt zu einem Vorbereitungskurs gegangen. "Ich wollte den Leuten dort helfen, weil sie oftmals ganz schwere Schicksalsgeschichten haben. Nach langen Jahren der Haft, haben sie zum großen Teil keine Kontakte mehr nach außen, haben nicht so ein hohes Bildungsniveau und haben selbst nach einer Freilassung kaum eine Jobperspektive. Diese Menschen sind Teil einer benachteiligten Schicht, die man nicht aus den Augen verlieren darf. Mit meinem Engagement möchte ich einen Teil zur Resozialisierung beitragen." Hauptsächlich hilft sie dem Verein bei der Öffentlichkeitsarbeit, bei Demonstrationen und Infoständen. Zudem sucht sie den direkten Kontakt zu den Straffälligen im Vollzug.

Kontakt nach Außen wichtig

Zweimal im Monat für zwei Stunden trifft sich Mahnaz Syrus und zwei weitere Ehrenamtler*innen mit bis zu fünf Inhaftierten im Hochsicherheitsgefängnis in Aachen an der Krefelderstr. Dann wird "einfach nur geredet", erzählt sie. "Die Häftlinge sind sehr interessiert, etwas von draußen mitzubekommen. Manche sind schon seit 15 Jahren im Gefängnis. Sie haben noch nicht einmal die Euro Einführung miterlebt." Und auch die Häftlinge erzählen von ihrem Alltag, ihren gesundheitlichen Problemen und anderen Befindlichkeiten. Dabei spielt die Tat eine untergeordnete Rolle: "Manche sind offen und reden darüber. Andere schweigen dazu lieber. Wir haben ein ungeschriebenes Gesetz, dass das was dort erzählt wird, auch dort bleibt." Auf die Frage nach ihrer Reaktion, wenn sie als Frau Sexualstraftätern gegenüber sitzt, sagt sie: "Ich habe zwar Probleme damit, aber solange sie Reue zeigen, versuche ich den Menschen dahinter zu sehen. Die Hilflosigkeit und die Gesamtsituation des Menschen ist maßgeblich für mich."


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