Gelebte Integration - ein Besuch bei Elisabeth Paul

Beitrag vom: 29.09.2015

 

In den Nachrichten begegnen uns täglich die Schicksale von Flüchtlingen. Aber auch die Probleme von steigenden Zahlen, der Suche nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten und rechter Gewalt rücken immer mehr in den Mittelpunkt. Gelebte Integration und ehrenamtliches Engagement bestimmen momentan an vielen Stellen unseren Alltag. Doch wie sieht ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge im praktischen Alltag aus? Ein Besuch bei Elisabeth Paul, 3. stellv. Städteregionsrätin zeigt, wie Integration konkret gelebt wird.

"Elisabeth und Manni sind wie Mutter und Vater für uns"

Es herrscht eine gemütliche Atmosphäre. Der Duft von Kaffee liegt in der Luft. DeElisabethPaulr Anlass der Zusammenkunft, so einfach wie lecker: Apfel-Kuchen-backen - ein schwieriges Wort. Es ist eine bunte Runde, die sich da zusammengefunden hat. Ghana, Eritrea, Syrien, Albanien, Deutschland. Stolz zeigt Elisabeth Paul den Bericht in der AN am Freitag 19.9. über eine Berufsorientierungsmaßnahme für junge Flüchtlinge, in der zwei ihrer Schützlinge, Dilgash aus Syrien und Sunny aus Eritrea erfolgreich unter gekommen sind. "Da sind wir echt froh, dass wir das geschafft haben." Acht Monate sind die beiden jetzt in Deutschland. Ihr Deutsch schon beeindruckend verständlich. "Die letzten vier Monate haben wir die Beiden intensiv in Deutsch unterrichtet u.a. auch zu Hause mit einer Lernsoftware auf dem privaten Computer." Dankbar sind die jungen Flüchtlinge, für die Unterstützung, die sie hier bekommen. Das sieht man an ihrer Einsatzbereitschaft, mit der sie den Kuchen backen. Engagiert hilft jeder der Anwesenden mit. Dilgash schneidet Äpfel, Sunny rollt den Teig und der junge Albaner Armand, lernt mit Manni nebenbei deutsche Vokabeln. "Elisabeth und Mani sind wie Mutter und Vater für uns", meint Sunny, als er den Kuchen in den Ofen schiebt.

Ein Stück Zuhause finden

Schon seit 20 Jahren engagieren sich Elisabeth Paul und ihr Mann "Manni" in der Flüchtlingsarbeit. Angefangen hat es in den ersten internationalen Förderklassen in Aachen in den früher 90zigern."Manni war Schulleiter an einer Schule, die die ersten Flüchtlingsklassen vor 20 Jahren beschulten", erklärt Elisabeth Paul. Kontakt zu Flüchtlingen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft haben sie erhalten über die Initiative "Neue Nachbarn", die sich um Flüchtlinge im Aachener Ortsteil Vaalserquartier kümmert. "Das Bedürfnis vieler Menschen ist es, ihre neuen Nachbarn kennenzulernen. Wir haben über die Stadt Aachen Adressen ausfindig gemacht und dann Einladungen zum Kaffeetrinken in den Heimen verteilt. Da kamen bestimmt 30 Interessierte. Wir haben sie gefragt, was sie brauchen und dann haben sie gesagt "Deutsch lernen" oder Unterstützung bei Briefen vom Amt oder beim Gang zum Arzt." Zunehmend entstanden so Kontakte auch im privaten Bereich. "Wir hatten einige, die ein Stück Zuhause bei uns gefunden haben, die wir begleitet haben und die uns begleitet haben. Daraus hat sich eine intensive Arbeit ergeben, die bis heute anhält."

Alle im Blick haben

IMG_3535Auch in ihrer politischen Arbeit habe sie das Flüchtlingsthema stets mitgedacht. Bei der Schulentwicklungsplanung zum Beispiel und der Berücksichtigung von Platz für mögliche neue internationale Förderklassen. "Mir war klar, wenn man sich die Weltlage anschaut, dass die heutige Problematik, absehbar war." Wichtig ist Elisabeth Paul, dass die „Rechten“ die Situation nicht nutzen, indem sie Menschen, die ebenfalls nur wenig besitzen, gegen Flüchtlinge ausspielt. "Unser soziales Engagement und die Politik müssen alle mitnehmen. Wir dürfen andere benachteiligte Menschen nicht vergessen. Deshalb richten wir unser Engagement auch darauf aus, dass wir z.B. Menschen aus Integrationsbetrieben mit Flüchtlingen zusammenbringen.

Empathie statt Ausgrenzung

Das Gute am Ehrenamt ist für Elisabeth Paul die Multiplikatorenfunktion durch Reden und Sehen: "Wir reden mit Freunden und Bekannten über unser Tun und dadurch multipliziert man die Empathie und überträgt sie auf andere." Darüber hinaus sei vor allem gegenseitiges Verständnis wichtig. "Viele Flüchtlinge wissen nicht, wie sie sich hier verhalten sollen. Da braucht man Zeit und Geduld. Auch der Befürchtung vieler Menschen, dass mit den Flüchtlingen auch Salafisten zu uns kommen, kann man am besten entgegentreten, wenn wir diese Menschen integrieren und so verhindern, dass sie sich solchen Gruppierungen hier anschließen und eventuelle „Radikale“ keine Basis finden."

Weitere Informationen zum Arbeitsintegrationsprojekt


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