Presseerklärung zur Demonstration am 26. April in Brüssel und Köln für die sofortige Schließung der 5 gefährlichsten Reaktoren

Autor: Wolfgang Reinicke-Abel

Beitrag vom: 01.04.2019

 

Am 25. Juni 2017 schlossen sich 50.000 Menschen zusammen, um die Schließung des Atomkraftwerks in Tihange zu fordern. Die Anzahl der Demonstranten hat viele
überrascht. Bemerkenswert war aber auch die mangelnde Reaktion der offiziellen Politik als Folge dieses außergewöhnlichen Ereignisses. Es gibt Gründe für die scheinbare Lethargie der Führer unseres Landes angesichts dieser Volksdemonstration, vielleicht ausgehend von einem Schuldgefühl, das durchaus angemessen wäre.

Offensichtlich zeigt hat sich bei der Durchsetzung des Programms der Atomindustrie ein
eklatanter Mangel an demokratischer Debatte sowie falscher staatlicher Propaganda: angeblich handelt es sich bei der Nuklearenergie um einen unbegrenzten, billigen und sicheren Energieträger. Erinnern wir uns anlässlich des achten Jahrestages von Fukushima am 11. März daran, dass dies nach Tschernobyl im Jahr 1986 der zweite Unfall eines Kernkraftwerks ist, dessen Folgen unabsehbar sind. Erinnern wir uns außerdem daran, dass im Jahre 1960 die Führer von 16 europäischen Ländern, einschließlich der Belgiens, sich bereit erklärten, die Pariser Konvention zu unterzeichnen, mit der die finanzielle Verantwortung der Betreiber im Falle eines nuklearen Unfalls begrenzt werden sollte. Kein Versicherungsunternehmen wollte das als zu hoch angesehene nukleare Risiko decken. Ohne diese einzigartige Konvention hätte sich die Atomindustrie in Europa niemals entwickeln können.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass ein schwerer Unfall in Tihange das
Ende des Lebens bedeuten würde, wie wir es bisher kennen - das Ende der Wallonie als Region. Dass die Kosten eines solchen Unfalls mehrere Billionen Euro betragen würden, ohne dabei das gesundheitliche und psychologische Elend zu berücksichtigen, in das die Wallonen gestürzt würden - entweder müssten sie ihr Land und all ihr Hab und Gut verlassen oder in einem kontaminierten Gebiet in großer Armut leben. Der Betreiber von Tihange, Engie-Electrabel, würde nur 1,2 Milliarden zahlen müssen. Dies ist weniger als ihr Jahresgewinn und weniger als ein Tausendstel der Kosten der Katastrophe.

Wer ist verantwortlich für diese erschreckende Situation, in der Belgien sich befindet?
Selbstverständlich die Mitglieder der belgischen Regierung, die 1960 die Unterzeichnung der Konvention billigten; aber noch mehr diejenigen Regierungsmitglieder, die die dreimalige Verlängerung der Betriebsdauer der verschlissenen Reaktoren beschlossen haben - 2003 unter der Regierung Verhofstadt, 2012 unter der Regierung Di Rupo und 2015 unter der Regierung Michel.

In Deutschland kann man zur Zeit beobachten, was passiert, wenn der Umstieg
verschleppt wird: Der sogenannte Atomausstieg wurde zur Hälfte zwar schnell vorzogen,
zur anderen Hälfte aber auf die lange Bank geschoben. Überflüssiger Atom- und
Kohlestrom verstopft die Netze und verdrängt auch moderne Gaskraftwerke, die wegen
ihrer Flexibilität übergangsweise gebraucht werden. Potentiale zur Energieeffizienz und
-einsparung bleiben ungenutzt. Windräder werden immer häufiger abgeregelt, der Zubau
Erneuerbarer Energien wurde ausgebremst, und es fehlt ein längst überfälliges,
flächendeckendes Speicherkonzept. All das steigert am Ende die volkswirtschaftlichen
Kosten genauso wie die irreparablen Schäden.

Darüber hinaus blieben die Uranfabriken in Gronau und Lingen trotz „Atomausstieg"
unangetastet, weshalb die Gefahr grenznaher, maroder Atommeiler durch deutsche
Brennstoffexporte auch noch befeuert wird — nicht nur in Tihange und Doel, auch im
französischen Cattenom und Fessenheim sowie im AKW Borssele (NL). Das Risiko, das
man durch Abschalten deutscher Reaktoren zu vermindern glaubte, droht nun in
verschärfter Form ein paar Kilometer westlich — mit Hilfe deutscher Brennstäbe.
Belgien könnte diese deutschen Fehler vermeiden, es könnte die Chance ergreifen
und innerhalb kürzester Zeit eine energiepolitische Kehrtwende vollziehen, beispielhaft für
Europa.
Jeden Tag, den Atomanlagen länger betrieben werden, kann ein folgenschwerer
Unfall passieren. Der Atommüll wächst unaufhörlich, seine bisherige „Entsorgung" ist ein
Desaster und die Energiewende wird blockiert durch den Weiterbetrieb unflexibler
Großkraftwerke wie die AKWs. Deshalb fordern wir den Sofortausstieg. Wir nutzen dabei mit unseren Aktionen die Möglichkeit, den Widerstand gegen die die Atomenergie zu stärken und unserem Protest entsprechend Ausdruck zu verleihen.

Daher fänden wir es wichtig, dass wir gemeinsam die Engie- Zentralen in Brüssel und Köln einkreisen.

Auch die Kernenergie trägt zur globalen Erwärmung bei. Die Kernkraft ist eine Bremse für den Energiewandel. Tschernobyl: 33 Jahre nach der Katastrophe, auf einem Gebiet, das fünfmal so groß ist wie Belgien, sind mehr als 80% der Kinder an Radioaktivität erkrankt.

Daher versammeln wir uns am 26. April um 15:00 Uhr am Gare du Nord, Rue du Progrès 76 in Brüssel und zur gleichen Zeit auf der Aachener Straße 1044 im Kölner Stadtteil Müngersdorf. Die Demonstrationen und Mahnwachen beginnen um 16.00 Uhr. Infos, Argumente und Fragen an die Parteien erhalten sie unter: www.endederatomkraft.be

Kein Tschernobyl in Belgien: schalten wir die fünf gefährlichsten Reaktoren sofort ab!

Gerissene Tanks, fehlerhafter Beton, Undichtigkeiten in Primärkühlkreisläufen....... Seit 2012 haben sich die Vorfälle in den belgischen Kernkraftwerken verschärft, die veraltet und zunehmend unzuverlässig sind. Die Wahrscheinlichkeit eines schweren Atomunfalls steigt von Tag zu Tag. Ein schwerer Unfall würde ganz Belgien und einen Teil der Nachbarländer verseuchen.

Eine nukleare Katastrophe würde Zehntausende Menschen töten, bei Hunderttausenden von Menschen Krankheiten verursachen und die Zukunft unserer Kinder dauerhaft gefährden. Von Millionen von Menschen wird erwartet, dass sie ihre Häuser für immer verlassen und all ihr Hab und Gut und ihr soziales Umfeld verlieren.

Diese Reaktoren sind nicht erforderlich.

Ende 2014 musste Belgien 5 Monate lang auf 50% seiner Kernenergie verzichten. Ende 2018 wurden 6 von 7 Kernreaktoren für einen Monat abgeschaltet. Es gab keinen einzigen Stromausfall.

Wir appellieren an alle Verantwortlichen: Hören Sie auf, uns über die Notwendigkeit der Kernenergie zu belügen: Kernenergie trägt zur globalen Erwärmung bei!

Entgegen den Behauptungen der Pro-Atomlobby produziert die Atomenergie Treibhausgase, etwa das Achtfache der Windenergie pro produzierter Einheit elektrischer Energie.

- Ein einzelner Reaktor mit einem Gigawatt erfordert die Gewinnung, Vermahlung und Raffination von 200.000 Tonnen Erz pro Jahr. Diese Produktionsphasen erfordern große Mengen fossiler Energie.

- Die Urananreicherung verbraucht 150.000 Tonnen Fluor und Chlor pro Jahr, potenzielle Quellen von Gasen mit einem viel höheren Treibhauseffekt als Kohlendioxid (CO2).

- Die Stilllegung von Kraftwerken und die Entsorgung von Atommüll für mehr als 100.000 Jahre wird einen Energieverbrauch erfordern, den noch niemand quantifizieren kann.
Fin du nucléaire _ Arrêt stop Tihange & Doel
Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie
Kölner Anti-Atom Plenum

v.i.S.d.P.: Wolfgang Reinicke-Abel, Holsteinstraße 20, 51065 Köln
(Findunuclaire“ und den Anti-AKW-Gruppen in NRW

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